Das Trio Contrasto macht vor keiner Stilrichtung Halt...
 
  
  
  
  
    
Zeitungsartikel: Konzert vom 27.5.2007

Kyburg   Das Trio Contrasto gab ein Pfingstkonzert in der Kirche

Mitreissende Zigeunerweisen voller Leidenschaft
Mit populären Melodien unterhielt das Trio Contrasto ein gutgelauntes Publikum. Von solistischen Einsätzen bis zu beinahe orchestraler Fülle waren allerlei Schattierungen zu hören. 

Ihrem Namen machte das Trio Contrasto am Pfingstsonntag alle Ehre, denn sein Konzert war höchst kontrastreich. In der ungewöhnlichen Besetzung von Violine, Akkordeon und Kontrabass wurden die unterschiedlichsten Stilrichtungen ins Konzert einbezogen und sogar gemischt. Silvia Orlando Akagi informierte das Publikum über die aufgeführten Werke und deren Komponisten.

Die Einleitung des ungarischen Tanzes Nr. 5 von Johannes Brahms spielte der Violinist Shunji Akagi als Solist mit viel Gefühl und zeigte gleich, dass er seiner Violine ausdrucksstarke Töne zu entlocken weiss. Schmissig setzten Ruedi Marty auf dem Akkordeon und Seon-Deok Baik auf dem Kontrabass ein. Leidenschaftlich und mit abrupten Tempowechseln erklangen die bekannten Zigeunermelodien. Bald wurde die Fröhlichkeit von ergreifenden Tonläufen, weinerlichen und wimmernden Passagen abgelöst.

Auf den Leib geschrieben
Eigens für das Trio schrieb der Akkordeonist eine Komposition, in die er Themen aus der Zigeunermusik einfliessen liess, öfters von Dur zu Moll wechselte und mit zahlreichen Taktwechseln verblüffte. Ein eingängiges Thema wurde solistisch von der Violine vorgestellt. Dabei hielt der Violinist die Augen geschlossen und liess die höchsten und leisesten Töne erklingen, die seine dünnste Saite erzeugen kann. Bald übernahm die Bassistin, strich und zupfte mit eindrucksvoller Fingerfertigkeit.

Emil Waldteufel stammte aus einer Elsässer Musikerfamilie, verbrachte den grössten Teil seines Lebens in Paris und ist mit seinem Walzer <Die Schlittschuhläufer> unsterblich geworden. Seit dieser Walzer im Fernsehen hilft, für Glace zu werben, kennen ihn auch fast alle Kinder. Auf eine Sequenz des Kontrabasses folgte eine lange Einleitung, Spannung wurde aufgebaut, bis das Trio endlich in den beschwingten Walzertakt verfiel. Bei einem Übergang ging ein Schmunzeln durch die Reihen des Publikums, denn die Bassistin liess ihr Instrument in den tiefsten Tönen brummen. Der Kontrast dazu hätte nicht grösser sein können, als die Violine in den höchsten Tönen zu wimmern begann.

Manchmal siebenstimmig
Mit einem Adagio aus einem Violinkonzert von Joseph Haydn kam auch die Wiener Klassik zum Zug. Zur Solovioline gesellte sich das Akkordeon, das die Noten von möglichst vielen Instrumenten eines Sinfonieorchesters zu übernehmen hatte. <Manchmal spiele ich siebenstimmig>, sagte Ruedi Marty, der die Stücke für das Trio umschreibt und sie den drei Instrumenten anpasst.

Nach der höfischen Musik aus dem 18. Jahrhundert folgte geradezu ein Überschlag zum bekanntesten Tango. Dieser ist nicht von einem Südamerikaner komponiert worden, sondern erstaunlicherweise vom Dänen Jacob Gade und wird bei keinem Tanzanlass ausgelassen. Das Trio Contrasto zeigte Gefühle und verblüffte mit dem Wechsel von Melancholie zu ausgelassener Leidenschaft. Ein Tango von Astor Piazolla ist für das Tanzparkett nicht geeignet und enthielt verschiedene Einflüsse aus Klassik, Jazz und Folklore. Dieses Stück weist wenig Spannung auf, bot jedoch Gelegenheit, dem Wohlklang und dem präzisen Zusammenspiel des Trios zu lauschen.

Piccolotöne auf dem Akkordeon
In Bela Bartoks rumänischen Volkstänzen überraschte Ruedi Marty auf dem Akkordeon mit einer Imitation einer Piccoloflöte. Gefällige Musik erklang mit einem Walzer aus <Die lustige Witwe> von Franz Léhar. Einer Einleitung in forciertem Marschtempo folgte der stimmungsvolle Teil im Walzertakt. Diese Bearbeitung von Ruedi Marty erklang am Konzert vom Sonntag zum ersten Mal und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. In einer Zugabe war der bekannteste Csardas zu geniessen. Wie wenn sein Schöpfer Vittorio Monti gewusst hätte, dass dieser Csardas der populärste werden würde, hatte er ihn mit <Nr. 1> betitelt. Nach der gemächlichen Einleitung wurde das Tempo enorm gesteigert, ein feuriger Rhythmus angeschlagen und das Musikstück mit überraschendem Schluss abrupt abgebrochen, was die Zuschauer mit begeistertem Applaus quittierten.

Werner Gubser

 
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